Khan Academy

Der Lehrer kann nach Hause. Wir haben jetzt die online Schule!

Wer sich Bildung aneignen will, findet im Internet ein immer breiteres, qualitativ hochstehendes Angebot. Funktioniert dieses Modell auch für Primar- und Sekundarschüler? Ohne fachkundige Begleitung würden die jungen Wissensdurstigen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen.

Die Khan Academy ist ein spannender Ansatz: Wissen wird in kleine Multimedia-Häppchen verpackt und online für alle kostenlos zur Verfügung gestellt. Wissen wird so zur öffentlichen Ware, für jeden erschwinglich. Man findet Beiträge zur Psychoanalyse, zur Physik, zur Wirkung von Partikeln in deutschen Texten oder eine Einleitung zu Hedge Funds. Die Inhalte richten sich an Studenten höherer Schulen und fordern von ihnen eine hohe Selbständigkeit im Lernprozess.

Nach einem ähnlichen Prinzip ist Udacity aufgebaut: Die online Universität bietet für das Fach Informatik alle möglichen Inhalte an. Den Lernfortschritt kann man im Web via Test messen, und am Ende einer 7-wöchigen Phase kann man eine Prüfung ablegen, die auch mit einem Zertifikat belohnt wird. Udacity versteht sich als Gegenkonzept teurer Präsenzschulen, die nach Einschätzung von Sebastian Thurn, ehemaliger Dozent in Stanford und Gründer der Udacity, methodisch im Mittelalter stehen geblieben sind.

Funktioniert ein solcher Ansatz auch für die Schweiz? Natürlich, die Schweizer Fernuni erfreut sich seit ihrer Gründung 1992 immer grösserer Beliebtheit. Die über 2’000 Studenten geniessen Vorlesungen der renommiertesten Lehrstuhlinhaber aller Schweizer Universitäten, sind zugleich jederzeit örtlich unabhängig und erhalten am Studienende ein eidgenössisch anerkanntes Zertifikat.

Für die Orientierung braucht’s den menschlichen Begleiter

Funktioniert ein solcher Ansatz auch für Primär- und Sekundarstufen? Ja und nein. Wenngleich technische Möglichkeiten wie Smartboard (interaktive digitale Wandtafel), Videoconferencing und Kollaborationsplattformen auch in vielen Schulen der Schweiz anzutreffen sind, verhindert die Kapazität der Schüler einen breiten Einsatz. Einem Oberstufenschüler einen Katalog an Inhalten zur Verfügung zu stellen und zu hoffen, dass er sich dann schon in diesem Urwald zurecht finde, ist illusorisch.

Was aber funktioniert, bereits vielerorts gelebt wird und in Zukunft immer öfter anzutreffen ist: Die Nutzung dieses neuen Ansatzes in einem geführten Umfeld, moderiert und begleitet durch die Lehrperson. Mehr noch: Die Einführung derartiger Arbeitsmodelle macht die Lehrperson umso unverzichtbarer, weil der Unterricht laufend individualisiert wird.

Der Lehrer darf also bleiben. Trotz online Schule.

1 Kommentar

  1. Ich denke das wird sich sowieso immer mehr durchsetzen :D Lg. Ute

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