Domino: Handbuch für eine nachhaltige Welt

Ein Handbuch für eine nachhaltigere Welt

Kann der Einzelne die Welt nachhaltiger machen? Wohl kaum, ist unser erster, resignierter Gedanke. Doch, kann er! sagen die Autoren von «Domino». Das dicke Buch, das es auch als Gratis-App gibt, ermutigt uns mit seinen 210 konkreten Massnahmen.

Wir hören und lesen es fast täglich in den News: Unsere Ressourcen, Nahrungsmittel und Wasser werden knapper. Der Energieverbrauch explodiert. Derweil entwickelt sich die Welt der Wirtschaft in immer kürzeren Zyklen; Druck und Risiko wachsen. Es kommt zum Crash von Banken und Staaten.

Kein Wunder, sind wir verunsichert, und kein Wunder, erleben Konzepte wie Nachhaltigkeit oder Labels wie «Bio» einen Boom. Stephan Sigrist, Gründer und Leiter des Think Tank W.I.R.E., steht diesem Trend nicht unkritisch gegenüber. Je mehr Akteure sich Nachhaltigkeit auf die Flagge schreiben, umso verwässerter wird der Begriff.

Probleme herunterbrechen

Im Rahmen der Ausstellung «Postfossiles Design» im Forum Schlossplatz Aarau hat Stephan Sigrist gestern Abend das Buch vorgestellt: «Domino – Handbuch für eine nachhaltige Welt». Zunächst präsentiert er die Beweggründe, aus denen er das Buch zusammen mit seinen Kollegen von W.I.R.E. entwickelt hat. Die Problematiken unserer Welt spielen in einem viel zu komplexen System, als dass wir sie begreifen und damit kontrollieren könnten. Deshalb: Warum brechen wir sie nicht herunter in überschaubare Teilsysteme?

Das Buch legt den Fokus auf unseren Alltag. Es präsentiert 210 konkrete Massnahmen aus den verschiedensten Bereichen des Alltags für Individuen, Unternehmen und Staaten. Denn die Autoren sind überzeugt: Wir alle setzen täglich eine lange Reihe von Entwicklungen in Bewegung, indem wir ein einziges kleines Dominoteilchen anstossen. Einige der 210 Tipps herausgegriffen:

  • «Rasen Sie elektrisch» empfiehlt Elektromobile und prophezeit, dass diese bald zum Statussymbol werden
  • «Ziehen Sie ins Zentrum» erklärt, warum urbanes Wohnen nachhaltiger ist
  • «Essen Sie Muscheln» zeigt, dass Muscheln nur in sehr sauberem Wasser gut gedeihen und somit Muschelfarmer darauf achten, Meereswasser sauber zu halten
  • «Soja in den Tintenstrahldrucker» regt Unternehmen an, Erdöl zu sparen und die Büroluft gesünder zu machen, indem sie umweltfreundliche Tinte aus Soja verwenden
  • «Manager, ab in die Hängematte» empfiehlt, dass der CEO den aktiven Mittagsschlaf vorlebt
  • «Bauen Sie bewusst schön» empfiehlt Unternehmen, ihre Büroräume auch nach ästhetischen Gesichtspunkten zu gestalten, da sie das Leben der Mitarbeiter und somit auch ihre Arbeitshaltung prägen
  • «Lernen Sie den richtigen Umgang mit den digitalen Medien» hält Eltern dazu an, ihren Kindern den sorgsamen Umgang mit den neuen Medien beizubringen

Dem Think Tank W.I.R.E. ist es ein grosses Anliegen, komplexe Sachverhalte durch eine ansprechende grafische Gestaltung verständlich und reizvoll darzustellen. Tatsächlich ist das die Stärke des Buches. Den 210 Tipps hingegen hätte eine Reduktion gut getan. Viele sind zwar praktikabel und regen zum Nachdenken und Ausprobieren an. Einige aber enttäuschen, weil sie zu wenig konkret und zum Teil etwas banal daherkommen. Vielleicht, weil der Leser nicht erwartet, trotz der attraktiven Aufmachung der Banalität des Alltags zu begegnen.

Wer nicht gleich das Buch kaufen möchte: Alle 210 Tipps gibt’s auch in der Gratis-App.

 

Ungehorsamkeit gehört dazu, sagt «Domino» (Buch-Trailer):

 

Domino – Handbuch für eine nachhaltige Welt

Stephan Sigrist, Burkhard Varnholt, Gerd Folkers, Christopher Blaufelder; Frankfurter Allgemeine Buch, 2010

 

Gratis-App «W.I.R.E. Domino» für iPhone oder iPad

 

W.I.R.E. – Web for Interdisciplinary Research and Expertise

W.I.R.E. ist ein unabhängiger Schweizer Think Tank, der sich mit globalen Entwicklungen in Wirtschaft, Gesellschaft und den Life Sciences beschäftigt.

Nebst seiner Trägerschaft durch die Bank Sarasin und das Collegium Helveticum der ETH und Universität Zürich verfügt W.I.R.E. über ein internationales Board aus Experten, Vordenkern und Entscheidungsträgern.

 

Postfossiles Design – auf dem Weg zu einer nachhaltigen Produktegestaltung

Ausstellung im Forum Schlossplatz, Aarau, noch bis zum 23. September 2012

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